Wir freuen uns. dass Lia jetzt mit dabei ist.

Lia wird im Rahmen eines Schülerreporterprogramms jugendliche Themen aus ihrer Sicht aufgreifen und vermitteln. Lia ist in Halle (Saale) geboren, 15 Jahre alt, und lebt dort mit ihren Eltern und ihrer elfjährigen Schwester. Lia hatte den Kindergarten besucht und ist aktuell in der 10. Klasse eines Gymnasiums.

Der DNB hatte einen Aufruf gestartet und Lia hat sich sofort gemeldet, da sie eine spätere hauptberufliche journalistische Tätigkeit evtl. auch für sich ins Auge gefasst hat. Lias Interessen sind vielfältig; reiten, tanzen, singen, zeichnen, lesen & Meine Seiten mit Lia schreiben, nähen. Ihre Lieblingsfächer in der Schule sind Kunst, Musik, Sport, Ethik, Englisch, Deutsch.

Neben der redaktionellen Mitarbeit wird der DNB auch regelmäßig mit Lia Themen für junge Menschen mit Neurodermitis im Hautcast, dem podcast des DNB, produzieren. Bis jetzt 13 Hautcast-Sendungen gibt es ja auf unserer Homepage und über die bekannten streaming-Dienste zu hören. Der DNB freut sich auf eine interessante Zusammenarbeit mit Lia und sagt im Namen aller jungen Menschen auf dieser Seite: „Herzlich Willkommen, Lia!“

Q&A mit Lia

18.1.2026 - Hallo Lia, wir haben wieder ein paar Fragen an dich, die du uns gerne wieder aus deiner Sicht beantworten kannst. Neurodermitis beginnt ja oft schon im jungen Alter wie auch bei dir. Was weiß man da schon von Krankheiten und wie man damit umgeht? Du erklärst uns das immer aus deiner jugendlichen Sicht sehr nachvollziehbar.

Kontakt mit dem anderen Geschlecht – Wie reagierst du?

Ich denke viele Leute mit Neurodermitis gehen zu kritisch mit sich selbst um und sind dann eher zurückhaltend. Man sollte sich jedoch nicht durch seine Rötungen oder sichtbaren Ekzeme verunsichern lassen, denn anderen fallen die untypischen Hautbilder gar nicht so stark auf wie man denkt. Ich persönlich bin ein selbstbewusster Mensch und mache mir daher keinen Kopf, was sich mein Gegenüber darüber denkt. Die Reaktion auf die Neurodermitis - nachdem man erklärt hat, was das ist – kann jedoch gut zeigen wie ein möglicher Partner/-in denkt und wie reif er/sie ist. Wer Verständnis und Offenheit zeigt, beweist damit emotionale Reife. Menschen hingegen, die abweisend reagieren, signalisieren, dass sie sie vielleicht noch nicht bereit für eine richtige Beziehung sind.

Wie gehst du mit Kommentaren oder Reaktionen um, wenn du über deine Haut redest oder jemand dich auf die “roten Flecken” anspricht?

Wenn mich jemand auf die Rötungen anspricht, versuche ich die Person so gut wie möglich aufzuklären. Durch mein Selbstbewusstsein habe ich kein Problem damit, über meine Atopische Dermatitis zu reden und lasse mich nicht von Fragen oder unreifen Kommentaren einschüchtern.  Je selbstverständlicher man mit der AD umgeht, desto weniger fällt es auf. Viele können Neurodermitis nicht richtig einordnen und denken vielleicht das es eine Allergie sei. Wieder andere fragen so höflich wie möglich, ob es ansteckend ist. Doch sobald ich kurz erkläre, dass es eine chronische jedoch nicht ansteckende Hautkrankheit ist, zeigen sie Verständnis. Oft merke ich dabei, dass die Leute einfach nur neugierig sind und keinerlei böse Absichten haben.

Fühlst du dich durch den Austausch mit anderen Betroffenen online verstanden oder eher verunsichert?

Durch den Austausch mit anderen Betroffenen online fühle ich mich vor allem verstanden. Es gibt viele Videos und Posts in denen Menschen offen über ihre Neurodermitis sprechen oder Tipps geben. Besonders gut finde ich, dass andere ehrlich zeigen, wie ihr Alltag damit aussieht. Dies schafft einem das Gefühl nicht allein mit solch einer chronischen Krankheit zu sein. Bis jetzt bin ich auch noch nicht auf Hassvideos oder gezielte Beleidigungen gegenüber Menschen mit Atopischer Dermatitis gestoßen. Das heißt natürlich nicht, dass es sowas nicht gibt, schließlich ist das Internet riesig, aber mein Eindruck ist, dass solche Inhalte eher eine Seltenheit sind. Die meisten Menschen gehen respektvoll miteinander um und unterstützen sich gegenseitig mit Tipps. Häufig findet man in den Kommentarleisten Leute, die nicht wissen, was Neurodermitis ist, doch auch diese werden höflich darüber aufgeklärt und informiert.

Wie holt ihr euch Informationen, über das Handy oder wie macht ihr das?

Ich hole mir die meisten Informationen und Tipps über mein Handy beziehungsweise das Internet. Da finde ich am schnellsten Erfahrungen von anderen Betroffenen oder Erklärvideos falls ich einen plötzlichen Schub bekomme, der nicht zu verschwinden scheinen will. Trotzdem verlasse ich mich nicht nur auf Online-Tipps, da jeder Körper anders reagiert. Ich gehe auch selbst gerne in die Drogerie und probiere verschiedenste Produkte an mir aus. Durch dieses ausprobieren habe ich inzwischen sogar eine preisgünstige Creme gefunden, die meinen Juckreiz richtig gut lindert. Jedoch haben auch viele Produkte entweder keine Veränderung oder aber eine Verschlechterung hervorgerufen. Einmal habe ich einen extremen Schub durch ein Produkt bekommen. Da ich die Sorte meines Deos gewechselt habe und kurze Zeit später an meinen Oberarmen und meinen Schultern viele juckende Hautrötungen bekam, vermute ich das dieser große AD-Schub durch das Deo ausgelöst wurde.

20.12.2025 - Hallo Lia. Du bist jetzt 15 Jahre alt. Kannst du dich noch erinnern, wie das war, als deine Eltern sagten, dass du Neurodermitis hast? Man weiß ja in so einem Alter überhaupt nicht, was da auf einen zukommt.

Meine Eltern haben mir nie konkret gesagt, dass ich Neurodermitis habe, da ich seit Geburt daran erkrankt bin. Als ich dann älter wurde, erklärten sie mir, was Neurodermitis ist. Meine Mutter, welche selbst als Kind unter starker Atopischer Dermatitis (AD) litt, brachte mir schon frühzeitig bei, worauf ich zu achten habe. Häufig wurde ich von meinen Eltern daran erinnert, nicht zu kratzen, nicht zu häufig zu duschen und möglichst Produkte ohne Parfüm zu nutzen. Als jüngeres Kind hat man natürlich auch nicht wirklich das Bewusstsein dafür und wenn man AD von Geburt an hat, kennt man es nicht anders. Richtig bewusst wurde mir die Krankheit erst, als ich älter wurde, und gemerkt habe, dass nicht alle Kinder dieselben Einschränkungen haben. Natürlich ist es nervig, wenn man nach einer beschwerdefreien Zeit wieder einen Schub bekommt, aber inzwischen habe ich weitestgehend gelernt damit umzugehen.

Kannst du dich noch an Situationen erinnern, im Kindergarten oder in den ersten Schuljahren, bei denen du gemerkt hast, dass du durch die Neurodermitis irgendwie etwas anders gepolt bist als die hautgesünderen Mitschülerinnen und Mitschüler? Wie hast du reagiert?

Als Kind habe ich eigentlich nie gemerkt, dass ich wegen meiner Atopischen Dermatitis anders bin. Im Kindergarten, aber auch in der Grundschule war es für mich normal, da meine damalige beste Freundin ebenfalls AD hatte. Trotzdem wurden wir nie ausgeschlossen oder anders behandelt - weder von den Kindern noch von den Erwachsenen. Die Erzieher haben uns nur manchmal daran erinnert, nicht zu kratzen, aber wirklich anders behandelt haben sie uns nie. Dort war es eher immer so, als wären wir wie jedes andere Kind. Es war einfach ein Teil meines Alltags, genauso wie für andere eine Brille oder eine Allergie. Erst zu Hause hat man es dann doch ein wenig gespürt. Wenn die Haut wieder anfing, Stress zu machen und meine Eltern mir sagten: “Hör auf, dich zu kratzen, Lia!”. Da wurde ich wieder eingecremt oder bekam etwas Kühles auf die Haut. Es war natürlich manchmalnervig und anstrengend, aber als Kind nimmt man ja vieles einfach so hin.

Wie gehst du damit um, wenn sich deine AD wieder verschlimmert?

In letzter Zeit ist mein AD wieder etwas schlechter geworden als sonst, was vermutlich durch meinen aktuellen Stress entstanden ist. Daraufhin habe ich angefangen kaltgepresstes Kokosöl auf die betroffenen Stellen zu verteilen, 2xtäglich. Es spendet gut Feuchtigkeit, so dass meine Haut weniger trocken ist. Die rötlichen Stellen bleiben jedoch trotzdem sichtbar und der Juckreiz verschwindet nur im geringen Maße. Um mich davon abzuhalten zu kratzen pack ich gerne Kühlakkus oder andere kalte Gegenstände drauf. Außerdem benutze ich dann weniger bis keine Seife beim Duschen, um meine Haut nicht weiter zu reizen. Danach heißt es meistens nur hoffen, dass es besser wird und dass sich die Haut wieder etwas erholt.

Schämst du dich für deine Neurodermitis?

Nein, ich schäme mich nicht Neurodermitis zu haben und ich finde niemand sollte sich dafür schämen. Jeder Mensch hat irgendwelche Probleme oder Krankheiten, denn keiner ist perfekt. Natürlich kann es komisch sein, wenn Leute dich auf die “komischen Flecken” auf deiner Haut ansprechen, aber das gehört dazu. Die meisten meinen es vermutlich nicht einmal böse, sondern sind einfach nur neugierig oder wissbegierig. Also versteck dich nicht unter Klamotten, denn Neurodermitis ist nichts schlimmes und erst recht nichts, wofür man sich schämen sollte!